Massagepraxis Mario Schmid Oftringen

Med. Masseur mit eidg. Fachausweis

Therapiebeschreibungen

Auf dieser Seite will ich so nach und nach Abhandlungen über die von mir angebotenen Therapien veröffentlichen.

Stretching-Abhandlung

Ich wage mich einmal einen Bericht über eines der wohl umstrittensten Themen in der physikalischen Therapie zu schreiben.

Vorne weg: Ich bin ein totaler Befürworter vom Stretching. Ich versuche es möglichst einfach und bildlich zu tun.


Grundsätzliches zum Muskel:

Ein Muskel kann sich aktiv nur zusammen ziehen. Um wieder auf seine herkömmliche Länge zu kommen, braucht er seinen Gegenspieler. Praktisch heisst das, dass der Kniebeuger hinten am Oberschenkel unser Knie beugen kann, aber er kann es nicht mehr stecken. Das geschieht jetzt dadurch, dass sich der Kniestrecker am Oberschenkel vorne zusammenzieht, während der Beuger seine Anspannung los lässt.

Was passiert jetzt im Muskel während er sich zusammen zieht (kontrahiert)?

Ein Muskel besteht aus mehreren Bündeln. Diese wiederum aus Fasern. Diese aus Fibrillen. Eine einzelne Fibrille ist in der Länge in mehrere Abschnitte (Sakomere) unterteilt. Diese bestehen aus den beiden Bestandteilen Aktin und Myosin.

Das Aktin ist wie eine gerade Schnur, die auf dem Boden liegt. Das Myosin sieht aus wie ein Bagger von der Seite. Eine Kabine, einen Arm und eine Schaufel daran. Auch die Arbeit dieses Myosins gleicht in der Bewegung der eines Baggers. Solche Myosine liegen etliche in Reih und Glied hintereinander. Nun strecken sie ihren Arm aus, senken die „Schaufel“ aufs Aktin hinunter, docken dort an und ziehen die Schaufel an (Wie der Bagger die Schaufel anzieht um sie mit Dreck zu füllen). Dadurch wird auch das Aktin zusammen geschoben. Jedes dieser Myosine kann aber nur eine ganz kurze Bewegung ausführen (sind tausendstel mm). Aber alle in der Reihe zusammen ergeben in der Summe die Bewegung unseres Knies. Nun sollte das Myosin sich vom Aktin wieder loslösen, und den Arm wieder anheben. Und durch das Anspannen des Gegenspielers würde das Sakomer wieder gestreckt und Aktin und Myosin wären wieder in ihrer Ausgangsstellung.


Aber diesem Vorgang steht folgendes Problem gegenüber:

Durch das Anspannen des Muskels verdichtet er seine Masse (gleiche Muskelmasse auf kürzerer Strecke, siehe Bizeps beim Armbeugen, Oberarm bekommt mehr Umfang). Dadurch werden aber auch die Blutgefässe im Muskel komprimiert, das heißt ihr Durchmesser wird verkleinert und somit gelangt weniger Blut in die Region. Damit sich das Myosin vom Aktin loslösen kann, braucht es gewisse chemische Stoffe. Diese kommen aber nur mit dem Blut hierhin. Aber nun ist durch die Kompression der Blutgefässe diese Versorgung herunter geschraubt. Das Resultat? Das Loslösen klappt nicht an allen Andockstellen. Das beeinträchtigt dann die einwandfreie Funktion des Muskels nach und nach immer mehr.

Stretching nun ist eines der Mittel um dagegen anzugehen. Dadurch, dass man den Muskel langsam in Dehnung bringt werden die Sakomer gedehnt. Myosine lassen jetzt zwar immer noch nicht los, aber ihre Schaufel wird „gewaltsam“ in ihre Ausgangsposition gebracht. Das hat zur Folge, dass die Dichte der Muskelmasse wieder verringert wird, die Blutgefässe weniger komprimiert werden, die Blutzirkulation in dem Gebiet besser wird und die chemischen Stoffe zum Loslösen vermehrt durchkommen. Nun lösen sich noch mehr Myosine. Aber weil der Muskel in ständiger Bewegung ist, bleiben immer welche übrig, die nicht mehr loslassen. Das ergibt dann die als Verspannung erkennbaren Veränderungen in der Muskelspannung.


Wie wird Stretching richtig durchgeführt?

Zuerst eine ganz klare Aufforderung! Stretching sollte man sich erst von einer Fachperson zeigen und erklären lassen, damit man nicht falsche Bewegungsmuster erlernt. Bei Schmerzen und / oder Verletzungen unbedingt erst eine Fachperson konsultieren.

Stretchingübungen mit Nachwippen, oder dynamisches Stretching darf nur von erfahrenen Stretchern gemacht werden.

Die folgenden neun Regeln müssen unbedingt beachtet, bzw. eingehalten, werden:

1. Immer für eine gute, locker, entspannte Ausgangsposition sorgen

2. Langsam in und aus der Dehnung gehen

3. Nachwippen ist zu unterlassen

4. Stretching ist kein Wettbewerb. Das bedeutet:

a) Sich nie mit Andern vergleichen.

b) Sich aber auch nie mit sich selbst zu messen. Z.B. rechts mit links, oder heute mit gestern.

5. Dehnen darf nie schmerzen. Ein sich gut anfühlendes Wärmegefühl darf entstehen.

6. Unbedingt darauf achten, dass während dem Dehnen immer regelmässig geatmet wird.

7. Immer beidseitig dehnen. Zu Beginnen ist mit der schlechteren Seite.

8. Um ein wirklich produktives Stretching zu machen, braucht es sehr viel Übung.

9. Grundsätzlich gilt: Je grösser ein Muskel ist, desto länger ist die Zeit einer Dehnung. Sie bewegt sich in einer Zeitspanne von ca 15-30 Sekunden.


Dehnen im Sport:

Stretching ersetzt nie ein auf den Sport bezogenes Aufwärmen.

In welchem Ausmass vor, oder während, dem Sport gedehnt wird, ist von der persönlichen Erfahrung mit Stretching abhängig.


Nie sofort nach dem Sport dehnen. Immer erst ein gutes Auslaufen oder Cool down durchführen, damit sich der Muskel etwas erholen kann, und möglichst viele Abfallstoffe abgearbeitet werden können. Erst jetzt ist der Muskel in der Lage die oben geschilderten Vorgänge durchzuführen.

Ich denke hiermit sind die wichtigsten Punkte zum Stretching gesagt.


Ich wünsche alles Gute und viel Erfolg mit Stretching.

Mario

Kinesio Tape Abhandlung

Einleitung zum Thema

Ich habe mich bemüht, das Thema so abzuhandeln, dass es für Laien verständlich wird.

Darum kommen Ausdrücke wie

Somatischer Reflexbogen

Visceraler Reflexbogen

Gate controll

usw

in meinen Beschreibungen nicht vor.


Geschichte

Das Tape wurde in den 70-er Jahren vom japanischen Chiropraktiker Kenzo Kase entwickelt. Danach kam es als Therapie nach USA un ende der 90-er Jahre via England und Deutschland nach Europa.


Generell gibt es drei Anlagetechniken.

- Muskeltchnik

- Ligamenttechnik

- Lymphtechnik


Material

Das Tape besteht aus einer hochwertigen Baumwoll-Basis und lässt sich auf ca 130 – 140% dehnen, und ist somit in etwa gleich dehnfähig wie unsere Haut. In der Produktion wird das Tape in einer Dehnung von ca 110% arbeitsfertig verpackt. Wieso mit 110% sehen wir später noch.

Wie stark und ob überhaupt das Tape beim Anlegen gedehnt wird hängt von der gewählten Anlagetechnik sowie dem gefundenen Befund ab.


Dabei ist zu beachten dass:

Die Muskel- und die Lymphtechnik ohne Zug, die Ligamenttechnik mit angepasstem Zug (Dehnung) angebracht werden.

Der Klebstoff (Acryll) wird durch die körpereigene Wärme aktiviert.

Ca 30 Min. nach anbringen des Tapes kann der Pat damit Extrembewegungen machen, duschen, baden die Sauna besuchen etc.

Das Tape enthält keine medikamentöse Zusätze. Die Wirkung beruht einzig und allein auf den unten beschriebenen mechanischen Komponenten.


Tape anlegen

Den zu tapenden Körperteil gut mit Alkohol reinigen, evtl. rasieren damit das Tape auch wirklich auf der Haut und nicht auf den Haaren klebt (hätte ausser Schmerz keine grosse Wirkung).

Den Muskel oder Hautabschnitt dehnen und Tapelänge abmessen.

Den Patienten wieder entspannen lassen.

Länge, Form und Ecken vom Tape zuschneiden.

Patienten wieder dehnen, bzw in die für das Anbringen vom Tape vorgesehene Haltung gehen lassen und Tape in der gewählten Technik anbringen und „festreiben“.

Durch das Reiben entsteht Wärme was den Acryllklebstoff aktiviert.

Das Tape bleibt nun für 5 bis 7 Tage drauf.

Allergische Reaktionen kennt man eigentlich nicht. Es kann sein, dass es nach einigen Tagen etwas zu jucken beginnt das ist aber weiter kein Problem. Sollte es aber zu stark oder unangenehm werden das Tape entfernen und den Therapeuten das nächste Mal informieren.

Das Tape entwickelt seine grösste Wirksamkeit ca ab dem zweiten Tag.


Sofort nach dem Tapen den Patienten die vorher eingeschränkte oder schmerzhafte Bewegung als Test machen lassen.

Verspührt der Patient nicht sofort eine Verbesserung ist entweder

1. falsche Anlegetechnik gewählt worden

2. nicht korrekt gearbeitet worden

3. es wurde eine Diagnose statt ein Befund getapt

4. was ich nur sehr sehr selten erlebt habe, der Patient braucht länger bis er reagiert


Kann man sich ein Tape selbst anlegen?

Diese Frage kann man nicht grundsätzlich beantworten.

Folgende Fragen sollen das unterstreichen:

- Wie soll man ein Oberschenkel hinten dehnen und gleichzeitig Tapen?

- Wie soll man das Tape mit nur einer Hand angelegt werden, ohne dass es unter Zug gerät? Ist selbst für mich als langjähriger und fleissiger Taper nur bei wenigen Anlagen ohne Verlust der Qualität möglich.


Alternative

Bei kleinen Anlagen die aber häufig wiederholt werden müssen, sag ich dem Patienten, dass er jemanden mitnehmen soll dem ich das Tapen dann zeige. Kann er es zu meiner Zufriedenheit nachahmen ist das perfekt. Wenn nicht, muss der Patient weiter zu mir kommen, oder jemand anderes mitbringen. Es sei den, er ist mit dem Können seines Begleiters zufrieden. Dann muss er allerdings auch die Verantwortung übernehmen.


Darum mein Aufruf an alle Patienten:

Lass ein Tape nur von autorisierten, in Kinesio- Tape ausgebildeten Therapeuten machen!

Denk daran es ist Deine Gesundheit die Du ja anstrebst!

Es sind Deine Schmerzen die bei unsachgemässer Arbeit nicht weggehen!


Das Tape entfernen

Es hat sich bewährt das Tape in nassem Zustand zu lösen.

Das Tape nicht ruckartig sondern Schritt für Schritt entfernen und dabei mit der zweiten Hand die Haut möglichst nah am Tape fixieren.


Tonisierend, detonisierend tapen

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es eigentlich egal ist ob man vom Ursprung zum Ansatz eines Muskels oder Umgekehrt tapt.

Was hingegen sehr wichtig ist, ist die genaue und korrekt ausgeführte Klebetechnik, sowie die richtige Wahl der Anlagetechnik.

Auf die Farbe komme ich später zu sprechen.


Wirkungsweise

Wenn der Muskel, und somit auch die Haut, nach anlegen des Tapes wieder entspannt wird, zieht sich auch das Tape auf 100% zusammen. Dadurch ergibt sich unter dem Tape ein Hautbild das wie Wellkarton aussieht. Diese Wellen werden nun bei jeder Bewegung des entsprechenden Körperteils (d.h. zum Teil bei jedem Atemzug) gedehnt und gebildet. Die „Grösse“ dieser Welle ist bei jedem und überall am Körper verschieden gross. Manchmal sind sie nicht einmal sichtbar.


Was passiert nun?

Dazu muss ich für die Laien hier etwas ausholen.

1. Wenn Du alle Blutgefässe in Deinem Körper zu einer Schnur machst reicht diese am Äquator 1 bis 2 mal um die Erde (40000 bis 80000 Km).

2. Wenn Du dasselbe mit den Nerven machst reicht die Schnur bis zum Mond.

Das gibt Dir eine Vorstellung wie klein und fein in uns drinnen alles ist.


Jetzt fordert aber jede Verletzung Platz, da sich dort div. Stoffe ansammeln die sonst gar nicht, oder nicht in dieser Menge da sind. Z.B. ein Bluterguss, Schwellung, entzündungsbildende, und hemmende Stoffe, Schmerzmildernde Stoffe usw usw.

Sobald aber etwas mehr Platz fordert muss etwas anderes weichen.

Dadurch dass nun die Blut- und Lymphgefässe im Schmerzgebiet komprimiert werden gewinnt der Körper viel Platz. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert, denn die Stoffe, die zur Heilung benötigt werden, können nur durch die Blutbahnen hierher gelangen.

Wir haben also folgendes Bild:

Du giesst mit dem Schlauch Deine Blumen. Der Wasserhahn ist zwar voll offen. Da ich aber auf dem Schlauch stehe, kommt bei Dir vorne trotzdem fast kein Wasser an.


Was macht nun das Tape?

Du hast sicher noch das Bild vom Wellkarton im Kopf. Bei jeder einzelnen dieser Wellen wird nun die Haut etwas abgehoben, dadurch entsteht unter der Haut mehr Raum den der Körper sofort durch vergrössern der Durchmesser der Blut- und Lymphgefässe auffüllt. Das führt zu einer augenblicklichen Mehrdurchblutung und einem vermehrten Lymphabfluss. Zudem werden die venösen Blutgefässe und die Lymphgefässe durch die anhaltende Pumpbewegung „leergepumpt“ d.h. die entsprechenden Flüssigkeiten werden vorwärts geschoben.

Daraus resultiert, dass nun die benötigten Stoffe zur Heilung vermehrt zur Verletzung gelangen können. Ebenso kann dadurch die Schwellung viel schneller abgebaut werden.


Wie wirkt das Tape gegen Schmerz?

Wir haben 1000ende von Schmerzrezeptoren in unserem Körper.

Werden diese nun durch Kompression, oder auf irgend eine Art von Verletzung gereizt, melden sie das ans Rückenmark. Von da kommt nun der Befehl an den oder die entsprechenden Muskel(n) sich anzuspannen um quasi einen Schutzpanzer aufzubauen. Das löst aber wieder die oben beschriebene Situation vom Platzmangel aus. Zudem werden die Schmerzrezeptoren wieder, bzw noch mehr, komprimiert und ein endloser Kreislauf beginnt.

Dadurch dass das Tape die Haut anhebt, werden die Schmerzrezeptoren entlastet und der Schmerz nimmt sofort ab.


Farbe

Das ist ein sehr viel diskutierter Punkt. Ich gebe hier einfach meine persönliche Meinung und Erfahrungen wider.

Therapeutisch im Sinne der Farbenlehre spielen die Farben der Tapes absolut keine Rolle.

Also Aussagen wie: Pink ist Wärme fördernd, blau entzündungshemmend, kühlend kann ich nicht unterstützen.

Folgender Erfahrungsbericht zeigt, dass die Farben aber in anderer Hinsicht sehr wichtig sind.

Ein 14- jähriges Mädchen kommt zu mir in die Behandlung. Die Anamnese und Befundung ergeben, dass die Schienbeinmuskulatur mit zwei Streifen getapt werden muss. Ich fragte sie, wie ich es bei allen mache, welche Farbe sie möchte. Wie aus der Kanone geschossen sagte sie „pink“. Anschliessend erzählte sie mir, dass pink und türkis ihre Lieblingsfarben sind. Ich sagte ihr dass es auch türkisfarbenes Tape gibt, dass mir das aber am Vortag ausgegangen sei. Weiter erwähnte ich, dass das sehr schade sei, da ihr sonnengebräuntes Bein und die zwei Farben richtig cool ausgesehen hätten.

Ihre Antwort darauf: „ Das ist nicht schade. Das ist gemein“.


Also statt dem Tape irgendwelche Wirkungen, die es meiner Meinung nach, nicht hat, zuzuschreiben, und die Patienten somit zum Tragen einer ihnen unangenehmen Farbe zu vergewaltigen, müssen wir den psychologischen Wert von „ich hab ein cooles pinkes Tape“ oder „ich habe ein dezehntes beiges Tape“ ausnutzen.


Indikationen

Diese Liste ist unendlich. Darum gehe ich gleich zu den


Kontraindikationen

Wenn ein Therapeut den gesunden Menschenverstand gebraucht hat das Tape eigentlich keine absoluten Kontraindikationen, aber einige relative

- Frische Verletzungen. Eine Alternative wäre hier evtl. ein verletzungsfernes Lymphtape

- Schwangerschaft

- Thrombose

- Bei bekannten, starken allergischen Reaktionen der Haut


Aus dem Beschriebenen kann man erkennen dass das Tape sowohl als eigenständige sowie als ergänzende Therapie eingesetzt werden kann.

Für Elektrotherapie müssen einfach die Plätze für die Elektroden ausgespart werden.

Kältetherapie kann gut über das Tape gemacht werden.

Ebenso Massage oder Physiotherapie über das Tape gemacht werden.


Ich denke ich habe nun die wichtigsten Sachen zum Thema Kinesio Tape gesagt.

Ich wünsche allen, ob Anwender oder Tragender, viel Erfolg mit dieser spannenden Therapie.


Mario